Wie eine Tomatenscheibe im Traum zum Wegweiser des Lebens wurde
- Sindy

- 23. Sept.
- 4 Min. Lesezeit
Träume sind manchmal wie kleine Scherze des Unterbewusstseins: Sie nehmen etwas Alltägliches, werfen es in ein bizarres Setting – und plötzlich steckt darin eine Botschaft, die tiefer geht als erwartet. Genau so geschah es in einem Traum, der mit einem nackten, hohen Zimmer begann und mit einer Tomatenscheibe in einem Käsebrötchen endete. Dieses Mal erzähle ich den Traum stückchenweise und deute ihn abschnittsweise direkt nach der jeweiligen Sequenz.

Der alte Raum – Abschied von einem Zuhause
Im Traum tauchte zunächst ein leerer Raum auf: hohe Decken, nackte Wände, kein Schmuck, keine Tapete. Ein Ort, der vertraut wirkte, und doch endgültig verlassen schien. Hier war einmal Zuhause, doch nun war er leer.
Die Höhe der Decken machte den Raum groß – und mich klein. Wie der „Nahzwerg“ (in Anspielung auf den Scheinriesen bei Jim Knopf) fühlte ich mich winzig unter dieser Dimension. Vielleicht war das mein altes Leben: groß in den Ansprüchen, aber nicht mehr passend für mich. Vielleicht bedeutete es auch, dass mein altes Leben mich klein gehalten hat. Doch nun war das vorbei: Der Raum war bis auf den Putz leer: Ich verließ ihn für immer.
Der Güterwaggon – die Last der Erinnerung
Dann kam im Traum der Umzug: kein Umzugskarton, keine Koffer, sondern gleich ein ganzer Güterwaggon, voll mit allem, was mein Leben ausmacht. Den Inhalt sag ich nicht, das spielte auch keine Rolle für mich. Was ich sah, war die Kopplung, die mächtigen Stahlpuffer, hart aneinander gedrückt. Ein Sinnbild dafür, dass Vergangenheit und Zukunft hier mit Wucht verbunden sind.
Und dann mein absurder, skurriler Traumeinfall: Ich legte eine Käsescheibe dazwischen legen. Ein Puffer im Puffer, wenn man so will. Etwas Weiches, Nährendes zwischen all der Härte und vielleicht war das auch der Moment, wo ich im Traum etwas schmunzeln und aufatmen durfte, nach der ganzen „Nacktheit des Raumes“ und er „Wucht der schweren Waggons“, so nach dem Motto: „Alles nur halb so schlimm; schau, du hast Sinn für Humor.“

Das Käsebrötchen: das Banale wird bedeutend
Plötzlich wandelte sich die Szene, aber den Käse nahm ich mit: Aus der Käsescheibe zwischen Stahlpuffern wurde ein Käsebrötchen mit Butter. Jemand aß es und fand es lecker. Und ich? Ich legte noch eine Tomatenscheibe hinein.
Genau hier endete der Traum. Ich erwachte mit dem Gedanken: "Schade, dass ich nun nicht weiß, ob das mit der Tomate eine gute Idee war." Und das machte das Bild stark. Warum gerade die Tomate? Warum endet der Traum genau an dieser Stelle? Und genau das ist die Traumbotschaft!

Die Tomatenscheibe: das Risiko, anders zu sein
Ein Käsebrötchen ist neutral, ja fast schon ein „altbackener Ernährungsklassiker“ und jedem vertraut. Mit Tomate wird es plötzlich polarisierend: Die einen lieben sie, die anderen sortieren sie aus.
Diesen Traum betrachte ich etwas länger, denn das Käsebrötchen machte mich stutzig: Ich esse selbst schon seid über 2 Jahren kaum mehr Kohlenhydrate und schon gar kein Brot oder Brötchen. Daher kam ich zu dem Schluss, dass es hier nicht ums Essen ging, sondern mir mein Unterbewusstsein das Bild des Käsebrötchens zeigte, damit mit etwas auffiel. Und das tat es. Käsebrötchen sind etwas sehr Klassisches, fast schon "Altbackenes". Es steht also hier für klassische Konzepte, mit denen ich mich noch während meines „inneren Umzugs“ auseinandergesetzt sehe. Ich bin sozusagen noch mit meinem Zug unterwegs, aber an jeder Kreuzung entscheidet sich, wie ich die Weichen stellen will: Bleibe ich klassisch angepasst, oder bin ich bereit eine „Tomatenscheibe“ hinzuzufügen. Traue ich mich, meine eigene Note einzubringen, auch wenn sie nicht allen schmeckt?
Und als kompakte Traumbotschaft:
Bin ich bereit, zu polarisieren?
Denn genau das bedeutet die Tomatenscheibe. Sie ist das kleine, rote, saftige Extra, das aus dem Standard etwas Eigenes macht. Und sie steht für den Mut, nicht nur das Bewährte zu reproduzieren, sondern eine Entscheidung zu treffen: für Frische, Lebendigkeit und dafür, sich unterscheidbar zu machen, auch wenn es nicht jedem auf dieser Welt zusagen wird.
Dass ich genau hier mit dem Gedanken erwache: „Schade, dass ich nicht weiß, ob das Käsebrötchen mit Tomate geschmeckt hat“, spiegelt für mich genau das wider. Ich bin unterwegs in ein neues Leben und darf mich an jeder Kreuzung fragen: Wie authentisch und „polarisierend“ möchte ich sein? Gehe ich bewährte Wege oder weiche ich ab, weil ich das Lebendige, Frische, Organische liebe?

Das Lebensbekenntnis im Brötchen
Und so wird aus einem skurrilen Umzugstraum eine Schicksalsfrage:
Bleibe ich im Gewohnten (das Käsebrötchen pur)?
Oder wage ich den Schritt, der mich sichtbar, eigen und vielleicht auch umstritten macht (die Tomatenscheibe)?
Der Traum überließ mir die Entscheidung. Doch die Szene verriet auch: Die Tomate war schon da! Mein Unterbewusstsein hatte sie längst hineingelegt. Und was andere denken? Muss mir das wichtig sein? Oder darf ich einfach meinen das machen, wozu ich stehe?
Und so wurde klar:
Mein Leben wird für mich fortan einfacher, denn ich wähle die Tomate, auch wenn sie nicht jedem schmeckt. Das ist ok. Denn Geschmack ist eine persönliche Entscheidung und jeder darf selbst entscheiden. Ich scheine einen neuen Geschmack anbieten zu können. Das ist super und das erkenne ich als meine Aufgabe an. Und manchmal ist ein wenig Abwechslung ja nicht verkehrt.
Ich soll dir bei einer Traumdeutung helfen? Das mache ich gern. Schreib mir doch deinen Traum per Mail oder nutze das Kontakformular.
PS: Natürlich könnte man diesen Traum noch auf drei weitere Weisen deuten, aber diese Deutung war für mich die, die aktuell mit mir resoniert hat. Es kann sein, dass ich diesen Traum in ein paar Wochen erneut lesen und mir dann eine der anderen Bedeutungen eher zusagt, weil ich rückblickend vieles auch noch mal in ein anderes Licht stellt. Aber genau das macht Träume so faszinierend: Sie sind zeitlos, vielschichtig, sprechen in Metaphern und man kann sie – wie die Bibel – immer und immer wieder zu Rate ziehen.



Kommentare