Wenn Mühlen anders mahlen: Traumsymbole persönlich deuten
- Sindy

- 11. Sept.
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 12. Sept.
Träume faszinieren uns, seit es Menschen gibt. Viele greifen beim Deuten gerne zu Traumsymbol-Lexika – eine schnelle Möglichkeit, ein Bild in eine feste Schublade zu packen und dann zu wissen: „Ah ok, das hat das bedeutet. Na gut, dann weiter im Programm.“ Doch genau darin liegt die Gefahr: Träume sind keine universellen Codebücher, keine „Tarotkarten“ sondern persönliche Spiegel. Am Beispiel meines eigenen Mühlentraums möchte ich zeigen, warum ein Lexikon nur die halbe Wahrheit liefert.

Mein Mühlentraum
Eigentlich kann ich mich nur noch an eine Szene erinnern: Ich war an einem Bach und jemand sagte, hier hat doch mal die Mühle gestanden. Wir sahen uns um, aber niemand sah die Mühle, nur ich. Zuerst entdeckte sie aufgemalt auf einer Hauswand. Und dann erkannte ich den Mühlenbach, dann stand sie plötzlich vor mir. Es war eine schöne weiße Mühle mit einem oberschlächtigen dunklen Schaufelrad, das sich drehte. Dann sah ich wieder kurz weg. Sie war verschwunden. Nur damit ich sie etwas weiter im Gelände stehend wieder fand. Dort sah sie anderes aus. Moderner, eckiger. Es war, als wäre die Mühle präsent und auch wieder nicht, nah und fern, mal da, dann wieder an einem anderen Ort, aber immer funktionierend. Als würde sie sich mit jedem Blickwinkel, den ich einnehme, anschließend woanders hin positionieren. Aber niemand sah sie außer mir. Ich bin kurz aufgewacht, und weiß die Nacht etwas unruhig war, notierte ich mir nur ein Wort: Mühle – das Haupttraumsymbol. Damit erinnerte ich mich dann am nächsten Morgen immerhin an dieses Fragment, das mir in der Nacht auch so wichtig erschien, dass ich es nicht vergessen wollte.
Die Lexikon-Deutung
Würde man nun nur nach Traumlexikon gehen, dann schlägt man das Traumsymbol nach. Da ist dann über die Mühle oft zu lesen:
Sie steht für Verwandlung.
Wenn sie mahlt, kündigt sie Glück und Reichtum an.
Wenn sie stillsteht, droht eine Krise oder Krankheit.
Wenn sie klappert, verheißt sie Erfolg im Beruf.
Das klingt auf den ersten Blick plausibel und sogar ein bisschen verheißungsvoll. Meine Mühle mahlte ... jedenfalls drehte sich das Mühlrad. Damit bin ich schon mal geneigt, diese Deutung anzunehmen. Das ist ja was Gutes! ABER: Wenn die Mühle nicht funktioniert hätte, dann wäre ich vielleicht in die andere Richtung der selbsterfüllend Prophezeiung gerutscht und hätte, über die Aussage „drohende Krise“ den Fokus auf genau das gelegt. „Oh, eine Krise kommt“ und plötzlich brechen überall in meinen Alltag Krisenherde auf.
Deswegen finde ich solche Aussagen fatal, gerade für Menschen die unsicher sind, oder an sich selbst zweifeln!
Außerdem: Wie definiert man Erfolg, Glück, Reichtum, Krise oder Krankheit? Die Aussage ist also sehr allgemein. Ich kann vier Richtige im Lotto haben oder einen Cent auf der Straße finden. Was ist Glück? Definierst du Erfolg als Abschluss eines Projektes oder als Beförderung? Ich messe Reichtum in persönlicher Zufriedenheit. Und Krisen gibt es auf der Welt genug. Welche spricht mich an? Der Fokus bestimmt die Bedeutung. Ist ein kleiner Zwist gleich ein Streit? Ein Kopfschmerzanfall schon eine Krankheit?
Der Barum-Effekt und die selbsterfüllende Prophezeiung
Psychologisch nennt man das den Barnum-Effekt: vage Aussagen wirken zutreffend, weil sie alles und nichts zugleich bedeuten. Das findet sich in jedem Horoskop. Wir lassen uns lenken durch solche Aussagen. Mit echter Selbstbestimmtheit hat das nichts zu tun, es sei denn, man hört sich dieses Aussagen an und kann das von sich abperlen lassen. Dafür ist aber eine 100%ige Eigenradikalität notwendig. Ich würde nicht behaupten, dass ich die schon habe, aber ich arbeite daran. Daher lasse ich die Finger von Traumlexikons bzw. gehe ich mit meinen maximalen Kritiker und Barnum-geschulten Augen an solche Texte. Denn um Barum gesellt sich ja auch noch der Effekt der selbsterfüllenden Prophezeiung. Man misst den Aussagen anderer Bedeutung bei. Das kann Orientierung geben, die einem gerade in der heutigen Zeit abhandenzukommen scheint. Deswegen lassen wir uns auch so gerne und oft fremd bestimmen, ohne es zu merken. Willst du das? Ich hab nicht in allen Lebenslagen etwas gegen Fremdbestimmung, manchmal ist das ja auch sehr angenehm und praktisch, weil es bedeutet, dass man Verantwortung bis zu einem gewissen Teil auf andere schieben kann. Aber: ich will meine Fremdbestimmtheit bewusst wählen dürfen!
Schauen wir und die Mühle in meinen Traum mal genauer an.

Meine persönliche Traumdeutung der Mühle
In meinem Traum erschien die Mühle gleichzeitig nah und fern, mal alt in der Nähe, mal in der Ferne modern, aber immer funktioniert sie. Erst sah ich sie nicht, ich wurde hingewiesen, dass es eine Mühle gab. Und dann sah ich sie überall, an gefangen mit der Hauswand.
Achtung: Diese Deutungen sind wie immer auf mich bezogen. Das kann bei dir etwas ganz anderes bedeuten! Aber um dir zu zeigen, wie Traumintelligenz sich von der klassischen Traumsymboldeutung unterscheidet, schlüssel ich das hier mal auf.
Für mich bedeutet das also:
Hinweis: Mein Unterbewusstsein sagte so was wie: „Schau mal, was ich gerade mache.“ Und ich schaute und nur ich sah die Mühle, es ist also ein Prozess, der in mir, verborgen für andere, abläuft. Aber ich darf ihn sehen. Mein Unterbewusstsein hat mich quasi eingeladen.
Hauswand: meine Identität, meine Geschichte, „mein Haus“. Hier zeigt sich die Mühle vielleicht als Erinnerung, aufgemalt, noch nicht greifbar. Das wäre eine Möglichkeit. Mich spricht sie nicht ganz an. Vielleicht ist das Wandbild aber auch als „Aushängeschild“ zu verstehen: Dieses Haus mahlt gerade. Das fühlt sich schon stimmiger für mich an. Man könnte es auch als Fassadenschmuck deuten. Also etwas, das mich aktuell ausmacht: Transformation. Vom Korn zum Mehl. Von etwas, das man so nicht einfach essen kann, zu einem Produkt, das man weiterverarbeiten kann. Und diese Aussage geht mit mir in 100%ige Resonanz. Man sieht also, allein hier kann man eine Menge Fragen stellen. Und es gibt sicher noch mehr, aber ich habe meine Aussage erst mal gefunden und bin zufrieden.
Die „klassische“, alte Mühle direkt vor mir: Das könnte Ausdruck für Themen sein, die ich gerade aktiv bearbeite, vielleicht auch alte Themen, die gerade wieder aktuell sind, vielleicht auch „klassische“ Themen, die immer wieder im Alltag eine Rolle spielen, Arbeit, Partnerschaft, Kinder usw. Es sind also Baustellen im Hier und Jetzt, wenn man so will. Und ja, innerlich bin ich gerade sehr im Umbruch. An dieser Stelle bin ich daher abermals zufrieden mit meiner eigenen Deutung.
In der Ferne: Das steht für zukünftige Prozesse. Es könnten auch Prozesse sein, die schon spürbar (in der Ferne sichtbar) sind, aber noch nicht im Alltag angekommen. Dinge, die ich vielleicht noch gar nicht auf dem Schirm habe, mein zukünftiges, modernes Ich. Und klar: Was ich heute verändere, wirkt sich auf die Zukunft aus.
Multiples Auftauchen: Dass die Mühle immer wieder auftaucht, ganz gleich wo ich hinschaue, zeigt mir, dass mein Unterbewusstsein gerade an mehreren Ecken meine Denkprozesse umwandeln bzw. neu verschaltet. Neurobiologisch betrachtet könnte man sagen: Mein Hippocampus und mein Neocortex legen aktuell neue Leitungsbahnen aus und das in mehreren Bereichen meines Gehirns. Und genau so funktioniert das Gehirn ja auch. Es gibt nicht die Nervenbahn für den Gedanken A und eine für den Gedanken B. Der Gedanke A ist eine elektrische „Explosion“ im Gehirn, die einfach ganz andere Nervenbahnen abläuft, als Gedanken B. Und hier wird A mit B sozusagen gleichzeitig verschaltet und wer weiß auch Gedanke C und D. Man könnte daher sagen, dass dieses „Mühlenspringen“ im Traum schon auch die Neuroplastizität in meinen Kopf abbildet.
Die Mühle ist für mich also nicht ein Orakel für Reichtum oder Krankheit, sondern ein Bild für meine eigene Transformation auf mehreren Ebenen. Ich bin gerade dabei, viele innere Prozesse gleichzeitig zu wandeln und mein Traumleben gewährt mir einen Einblick in meine neuronale Verarbeitung.

Was ich daraus für den Alltag mitnehme
Und was mache ich nun damit im Alltag? Mein Mühlen-Traum sagt mir: Es arbeitet in mir. Ich transformiere mich. Und das ist gut so, denn ich sprenge schon seit Wochen meine alten Muster. Das ist anstrengend, weil ich viele Gewohnheiten nicht über Nacht verschwinden. Und weil man altes Denken hinterfragt, weil man auch sozial für andere bisweilen dadurch unangenehm wird, denn auch die Menschen um einen herum sind „Gewohnheitsmenschen“. Plötzlich steht da jemanden vor einem, der plötzlich weiß, was er will, und sich nicht mehr fremd bestimmen lässt. Das ist ... ja, unbequem. Aber es ist auch maximal befreiend. Und das so deutlich in mit in einem Traumsymbol wiederzuerkennen zeigt mir 2 Dinge:
Ich bin auf dem Weg.
Ich darf mich einen Moment zurücklehnen, denn mein Unterbewusstsein tut gerade ganz viel für mich. Dafür bin ich dankbar.
Vielleicht zeigt es mir auch, dass manche Dinge schon greifbar, andere aber noch verborgen liegen oder weiter entfernt sind. Aber: Ich darf darauf vertrauen, dass der Prozess läuft – wie ein Mühlrad, das durch den Bach des Lebens angetrieben wird.
Und die wichtigste Botschaft: Ich darf mir Zeit geben. Transformation geschieht nicht von heute auf morgen. Man „erwacht“ nicht einfach und fühlt sich erleuchtet. Man hat Momente, die sich eher kraftvoll anfühlen (wie der Matterhorn-Traum), und solche, die wieder einen Schritt oder drei zurückführen. Aber so oder so: der Prozess ist niemals abgeschlossen, denn wir entwickeln uns permanent weiter, bis zu unserem Lebensende.
Wenn du Lust hast, deine Träume nicht länger nach Schema F zu deuten, sondern ihre persönliche Botschaft zu verstehen, begleite ich dich gerne dabei. Buch dazu gern ein kurzes, kostenloses Vorgespräch mit mir.



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